Wie uns Kleinigkeiten zum Kern führen - Wenn Traumas aufpoppen und wir sie überwinden


Ich möchte Euch heute im Zusammenhang mit den beiden Artikeln „Warum unser Tier unser bester Coach sein sollte – was wir von unseren Tieren lernen können“ von einem wunderbaren Prozess erzählen.

Sandy hatte eine überraschende Situation mit ihrem Pferd Tom (12). Tom war seit jeher kopfscheu, vor allem an den Ohren ließ er sich zu Beginn ihres gemeinsamen Weges überhaupt nicht berühren, reagierte mit Angst und leicht aggressiv. Mit viel Ruhe und Geduld hatte sich dies inzwischen verbessert, sagte sie.



Wenn reines Training seine Grenzen zeigt


Sandy rief mich an mit folgender Beschreibung: „Dass er Berührungen an den Ohren nicht mag, wissen wir ja, aber es war sehr in der Ruhe. Nun wollte ich ihm für die Freiarbeit kurz eine Fliegenhaube aufsetzen, die sich beim über die Ohren  ziehen kurz verhängte. Ich musste zupfen, er riss sich los – und seitdem hat er sich nicht mehr berühren oder aufhalftern lassen.“ Die Begebenheit lag nun mehrere Tage zurück, ihr Pferd floh jedes Mal, wenn sie nur in die Nähe kam, auch bei einer dritten Person. Ich sah mir Tom an: energetisch gesehen hatte die Situation den Wallach wie re-traumatisiert; kontrollierte und ruhige Berührungen waren bis dahin inzwischen „antrainiert“ und „in Ordnung“, jedoch die neue Situation – Fliegenhaube in untrainierter Umgebung plus das Hängenbleiben/ Zupfen am Ohr hatten ihn alarmiert. Hierbei war er wie in alte Gefühls- und Erfahrungswelten hineingepurzelt, die ihm aus seiner „Jugendzeit“ ganz tief innen noch anhafteten; darin hing er fest.



Trauma fühlen sich an wie hohe Mauern, an die niemand mehr ran kommt – bis zur Heilung


Sein Vertrauen zu Sandy schien – aufgrund dieser äußerlich vollkommen harmlosen Situation – zunächst wie dahin, er wollte niemanden an sich heranlassen. Vertrauen zu Menschen, zeigte er, war ein Widerspruch. Energetisch hatte er wie Mauern um sich aufgerichtet, an denen jede Ermunterung und jedes gute Zureden abfiel.

Die Lösung war das Entkoppeln und Entstören des Traumas, und dazu Sandys liebevolles und ruhiges Auf-ihn-Zugehen und ihm „Neues“ zeigen, bzw. in diesem Fall ihn an ihre gemeinsame Zeit wie erinnern. Ihn wie erinnern, dass er Gutes mit ihr verband, und sie sehr wohl kannte. Hier zeigte er, er hatte mit dem Schock alles wie in einen Topf geworfen, keinen Unterschied gemacht, wer sie war und was alt war. Nun konnte er sich wieder öffnen, hinsehen und sehr wohl die Bindung zu seiner Halterin wieder als vertraut und sicher annehmen.



Wie Tom seiner Sandy den Spiegel zeigte


Interessant war, dass hier zugleich ein Spiegel war – Sandy, sah ich dann, hatte ein ganz ähnliches Muster aus ihrer frühen Kindheit, sie kannte emotional eine ähnliche tiefe Einsamkeit in sich, die sie dann auch ansprach. Sie hatte intuitiv viel Verständnis für Tom – und gewann so das Geschenk des Zugang und Verständnisses für sich selbst und die Emotion, die sie in sich erzeugt hatte in ihrer Kindheit. Diese Erkenntnis ermöglichte ihr endlich Zugang zu sich selbst. „Davor dachte ich immer, was zum Himmel da mit mir nicht stimmt. Warum ich so hohe Mauern um mich aufbaue, wenn ich mich verletzt fühle – und in solchen Momenten auch niemand mehr an mich herankommt.“ Da konnte sie lachen.



Der Spiegel führt uns in unser eigenes Potential, und unser Leuchten


Beziehungen, ob zu Menschen, unseren Kindern oder unseren Tieren, sind ebenso Resonanz wie alles. Auch wenn der Spiegel nicht gleich erkennbar ist – unser Tier ist nicht zufällig bei uns. Tiere schenken uns Schlüssel, wenn wir hinsehen. Wenn wir das erkennen, können wir einen wunderbaren Weg einschlagen – miteinander, und in das eigene wunderbare Potential und unser Leuchten!



Was ich von Tom lernte


Tom zeigte mir hier ein interessantes Bild: Es ist möglich, wie „zurückzufallen“ in alte Synapsen und Erfahrungen. Es wird dann ein Verhalten abgespult, das früher in dieser Situation der Rettungsanker war; im Falle Toms war es „abzuriegeln“, alle Schotten dicht zu machen und kopflos zu fliehen. In dieser Situation ist es schwer, an ihn heranzukommen – zumindest durch „gut zureden“ und Leckerlis wie seine geliebten Karotten. Diese nimmt er, geht jedoch sofort. In seiner inneren Welt ist er einsam und verlassen, wie in der Situation, in der er als Fohlen war.


Diese Traumas und seelischen Verletzungen erreichen wir mit viel Feingefühl nur auf dieser Ebene, wo sie passiert sind. Hier kann und möchte auch Heilung entstehen, die dann von innen heraus „ins Außen“ wächst. Energetisch kann hier ausgeglichen und die schmerzhafte Disbalance und Verlassenheitserfahrung gelöst und neu aktiviert und aufgefüllt werden. Sind die alten Triggerpunkte und Synapsen wie „verheilt“, schließt sich die Wunde, und das Trauma heilt von innen heraus – kann immer weniger getriggert werden.


Heilung ist ein Prozess, es kann manchmal dauern, bis Tiere aber auch Menschen uns zum tiefsten Kern vordringen lassen, das ist ganz unterschiedlich. Wichtig ist immer das Gefühl des Angenommenseins – alles kann, nichts muss. So entsteht die heilsame Umgebung, wirklich loszulassen, und alten Schmerz abfließen zu lassen.


„Das ist eine hochfrequente Arbeit, die sehr effizient ist – und zugleich sanft und wunderbar leicht. Sie ist, entgegen herkömmlicher „Therapien“ nicht nur der Weg in die schmerzhafte Erinnerung (das wäre speziell in dieser Situation, bei Tieren, auch sinnlos – das Tier noch einmal hineinschicken in das Erlebte), sondern zugleich der Weg raus. Bei Tieren entfällt die mentale Ebene, auf der wir Menschen gerne versuchen derlei Erfahrungen zu verarbeiten  und zu heilen. „Der Kopf ist in solchen Situationen aber das Geringste, nur ein Bruchteil dessen, wo sich das Trauma abspielt. Es sitzt ganz tief in unserem Empfinden, auf Seelen- und Erfahrungsebene, da, wo wir es eben erlebt haben. Und hier möchte es Heilung und Lösung erfahren.“

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